Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhelm Brasse

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Der Fotograf von Auschwitz – Das Leben von Wilhelm Brasse

27. Januar 2022 – Es ist ein kalter, nebliger Tag und die Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 c und d laufen in langer Reihe die leeren Straßen zwischen der IGS und dem WBZ im Zentrum von Ingelheim entlang. Es wird geredet, gelacht, zugehört, nichts Ungewöhnliches. Aber sie wissen, heute ist der Holocaust-Gedenktag, der Tag, an dem die Rote Armee 1945 das KZ Auschwitz befreit hat. Das ist jetzt 77 Jahre her.

Die Zehntklässler sind auf dem Weg zu einer Lesung von Reiner Engelmann, einem pensionierten Lehrer aus Bad Kreuznach, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten, auch wenn es mit den Jahren immer weniger Zeitzeugen gibt. Er wird damit zum ZWEIT-Zeugen. Engelmann ist viele Male mit Schülerinnen und Schülern nach Auschwitz gereist und einmal trafen sie dort einen ehemaligen Gefangenen, Wilhelm Brasse, der im Lager als Fotograf arbeiten musste. Der Lehrer und Autor schrieb im Anschluss mit dessen Einverständnis ein Buch über Brasse, aus dem er heute SchülerInnen aus verschiedenen Schulen Ingelheims vorliest. 1

Es ist mucksmäuschenstill im großen Saal, fast eine Stunde lang. Kein Gemurmel, kein Geraschel, nur gespanntes Zuhören. Die Fragerunde im Anschluss zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler gebannt sind von der Erzählung. Sie fragen nach weiteren Details, die der Autor ihnen – soweit er es kann – erklärt. Herrn Brasse kann man nicht mehr fragen, er starb im Oktober 2012. Aber Engelmann versteht es sehr gut, den jungen Menschen zu vermitteln, wie es sich angefühlt haben muss damals, im Lager, umgeben von Hunger, Gewalt und Tod.

Wilhelm Brasse wollte der nächsten Generation etwas mitgeben. „Mit meinem Beitrag möchte ich aufzeigen, was passiert ist, damit sich so etwas Schreckliches nicht noch einmal wiederholt.“ 2

Auf dem Rückweg wird klar, dass diese Lesung ein Stück dazu beigetragen hat, dass der Wunsch Brasses beachtet wird. Das Gehörte klingt nach und ist vielleicht ein guter Wegweiser für die jungen Menschen an verschiedenen Gabelungen auf ihrem Lebensweg.

Anke Eisermann

PS: Eine Ausgabe der Biografie mit Widmung des Autors findet ihr in der Bibliothek der IGS.

1. Reiner Engelmann: Der Fotograf von Auschwitz. Das Leben des Wilhelm Brasse; Kinder- und Jugendbuch Verlag, München, 2015
2. Quelle: ebenda, Klappentext

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